Liturgica V

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März 2009 — Mai 2012:
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Juli 2012 — Juni 2016:
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Juli 2016 — Epiphanie 2019:
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Orietur Occidens

Gemeinsamer Neujahrsgottesdienst aller Gemeinden

Sonntag, 13. Januar 2019

Eine Einladung, den Glauben nicht ernst zu nehmen

Ein Krippenspiel, an sich eine schöne Sache, eine Freude für alle Teilnehmer und ihre Angehörigen.
Nur: eine schöne Sache zur falschen Zeit am falschen Ort bringt eine falsche Botschaft mit sich.
Eine «Hl. Messe für die gesamte Stadtpfarrei» ist heute morgen in unserer Kirche im Gründerzeitviertel angesagt; das heißt: in allen anderen Kirche unserer Großstadt fallen die Messen am Vormittag aus; in der abgelegensten Gemeindekirche gibt es deshalb an diesem Sonntag gar keine Messe.
Schon als ich in die Kirche komme, ist zu sehen, daß das nicht gut ausgehen wird: vorm Altar, Rücklehne zum Altar gewandt, steht ein Liegestuhl. Der Hauptzelebrant erklärt, heute werde ein Spiel, ein «Musical», an die Stelle der Predigt treten, darum werde der Wortgottesdienst gekürzt werden.
Die Wirklichkeit: beide Lesungen fallen aus, auf das Tagesgebet folgt sogleich das Halleluja; nach dem Evangelium dann das Krippenspiel.
Dieses beginnt mit emsigem Kulissenschieben durch den ganzen Altarraum hindurch; dabei zeigt sich wiederum, daß der heilige Ort in keiner Weise mehr beachtet wird. Das Spiel ist um ein Mehrfaches länger als eine Predigt, zwischen seinem Inhalt und der Messe gibt es keinen Zusammenhang. Wie zu erwarten, sitzt bald jemand auf dem (aufgerichteten) Liegestuhl, den Rücken zu Altar und Tabernakel. Später stehen noch Kulissen an den Altar gelehnt.
Bei den Vermeldungen schließlich kommen die Akteure noch einmal nach vorne, erhalten Applaus und Blumen, wie es ja Theaterbrauch ist. Dabei stehen sie wieder mit dem Rücken zu Altar und Tabernakel.
Den Jugendlichen ist nichts vorzuwerfen – sie kennen es nicht anders. Das zeigte sich schon vor der Messe: eine der Mitwirkenden trat vor und bat, alle Händies auszuschalten, weil es sonst zu Problemen bei der Technik kommen könne – als sei es nicht schon aus anderen, noch gewichtigeren Gründen selbstverständlich, während eines Gottesdienstes Händygeklingel zu vermeiden.
Die Kirche hat einen großen Gemeindesaal; das Krippenspiel hätte auch dort aufgeführt werden können.
Die Botschaft dieser Aufführung: Für ein Spiel könne die Liturgie mit ihren Schriftlesungen hintangestellt werden. Der Altar – und somit das, was sich auf ihm ereignet – sei weniger wichtig; das Tabernakel – und somit das, was er enthält – sei weniger wichtig.
Karl Rahner, so wird berichtet, habe einmal im Gespräch mit Kardinal Suenens gesagt, «dass die Christen heute eine Tendenz haben, aus dem Christentum eine Abstraktion zu machen.»
Hier erscheint heute der christliche Glaube nur noch als Abstraktion, freilich, „ganzheitlich“ sozusagen, mit Theater ausgeschmückt.

W.H.W

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Orietur Occidens

W.H.W

Mariæ Lichtmeß und St. Blasius

Sonntag, 3. Februar 2019

Ganz am Rande ein schönes Glaubenszeugnis

Heute ist die äußere Nachfeier von Mariæ Lichtmeß; darum brennen in der Kirche am Tannenbaum heute noch die Kerzen.
Aber heute ist auch das Fest des heiligen Blasius; zum Schluss also der Blasiussegen: auf der einen Seite spendet ihn der Priester, auf der anderen ein Laie im Chorhemd. Mit solchem „Blasiussegen“ versehen, möchte ich nicht wagen, Fisch zu essen. Aber ich stehe sowieso auf der rechten Seite.
Während ich auf den Segen warte, sehe ich einen kleinen Ministranten für sich allen in die Sakristei gehen; als er den Altarraum verläßt, macht er, zum Hochaltar gewendet, eine tiefe Kniebeuge – ein wohltuendes Glaubenszeugnis zum Schluß des Gottesdienstes.

W.H.W

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Orietur Occidens

Mariae Verkündigung

Montag, 25. März 2019

Der Raum für Sonntagschristen — der Raum für Alltagschristen

In unserer ehemaligen Pfarrkirche im Gründerzeitviertel werden werktags die Messen in einer kleinen, etwas beengten, wenig bequem ausgestatteten Seitenkapelle gefeiert; so wird der Bußcharakter von Werktagsmessen betont, besonders in der Fastenzeit sehr angemessen.
Doch heute ist ein Hochfest: Mariae Verkündigung.
Schade, die Routine siegt über den Festcharakter: die Festmesse findet wie jede andere Montagsmesse in der Seitenkapelle statt.

W.H.W

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Orietur Occidens

Tabernakel und Legile

Palmsonntag, 14. April 2019

Eine besondere Raumaufteilung um den Altar

Die Kirche ist klein. Die Seitenwände treffen sich im abgerundeten spitzen Winkel im Scheitel des Chorraums. Etwas davor an der rechten Wand ist das Tabernakel aufgestellt. Wenig weiter davor steht ein Legile.
Wie kann bei dieser Raumaufteilung der Lektor anders, als mit dem Rücken zum Tabernakel zu stehen?

W.H.W

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Werktagsmesse

Montag, 15. April 2019

Liturgie an sich

Ich liebe Messen an Tagen, die keine staatlichen Feiertage sind, an kirchlichen Festen, aber auch an einfachen Wochentagen.
Ein Priester, der heute alles wegläßt, was der Volksbelustigung dient, der sich stattdessen ganz auf die Liturgie einläßt. Und Kommunionhelfer gibt es werktags sowieso nicht.
Heute steht der Herr im Mittelpunkt.

W.H.W

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Notre Dame

Montag, 15. April 2019

Lebendige Gotik

Ich war noch Schüler; Gotik sagte mir damals noch nichts. Als ich zum ersten Mal Notre Dame betrat, machte das noch keinen Eindruck auf mich. Dann ging ich am Sonntag darauf dort zur Messe; es war ein feierliches Hochamt. Und da, im Glanz der Liturgie, begriff ich Gotik.
Seither habe ich Chartres gesehen und Reims, Amiens und viele andere gotische Kathedralen und, natürlich, die Sainte Chapelle und Saint Denis, doch bis heute ist Notre Dame für mich der Inbegriff der Gotik geblieben, wohl wissend, daß diese Kirche frühgotisch ist, und ungerührt davon, daß die Architekturtheorie lieber das hochgotische Chartres preist.
Ecce civitas Sancti facta est deserta, domus sanctificationis tuae et gloriae tuae

W.H.W

Orietur Occidens

Präsanktifikatenliturgie

Karfreitag, 19. April 2019

Ein langer Weg zur Karfreitagsliturgie

In unserer Kirche im Gründerzeitviertel gibt es heute keine Liturgie, in der Propstei wird sie ohne Priester abgehalten – der Propst tourt heute bei Protestantens.
Aber da sind noch die Salesianer.
Die Fahrt dorthin ist ausgedehnt – heute gilt der Sonntagsfahrplan –, aber das Wetter ist schön.
Und wenn hier auch die Musik sehr viel weniger reich ist, als ich es bisher aus der Propstei kannte – dort gab es immer eine gesungene Passion –, so sind hier sogar zwei Priester, die die Liturgie feiern
(und es geht sogar ohne Kommunionhelfer).
Bemerkenswert ist, daß der Zelebrant es für begründenswert hielt, daß er die Großen Fürbitten ungekürzt vorgetragen hat.

W.H.W

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Das treffendere Wort

Ostersonntag, 21. April 2019

Predigt der Worte – Predigt der Töne

Die Predigt im Osterhochamt ist treffend und sehr kurz. Dann gibt der Prediger der Orgel das Wort: er kündigt ein längeres Orgelstück an, das, von einem modernen Komponisten, die Auferstehung Christi darstellt; er erklärt noch die Bedeutung der einzelnen Sätze.
Es wurde intensiver zugehört als bei den meisten Predigten aus Worten, und auch vom geistlichen Gehalt wurde wohl mehr wahrgenommen.

Ostermontag, 22. April 2019

Der richtige Text des Glaubensbekenntnisses

Eine Aufnahme in die katholische Kirche; darum ist uns heute das „Große Glaubensbekenntnis“ vergönnt, das Nicæno-Constantinopolitanum.
Im neuen GL steht es links auf Deutsch, rechts auf Latein. Doch das lateinische «Credo» ist im Deutschen mit «Wir glauben» übersetzt *.
Woher solch ein Fehler? Anzunehmen ist, daß das «Wir» auf die Konzilstexte zurückzuführen ist. Wenn ein Konzil ein Symbolon ausspricht, ist es das gemeinsame Bekenntnis der Konzilsväter; dort heißt es darum «Pisteúomen – Wir glauben». Doch in der Liturgie geht es um das Bekenntnis jedes einzelnen, darum «Ich glaube». Daher heißt es in der griechischen Liturgie «Pisteúo», in der slawischen «Věrujǫ», in der lateinischen «Credo».
Der Propst hat das Mikrophon. Er berichtigt, er sagt: «Ich glaube», «ich bekenne», «ich erwarte».

*Siehe: Nachlese ♦ 1.

W.H.W

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Orietur Occidens

Zu Gast bei muslimischen Freunden

Mittwoch, 1. Mai 2019

Bekenntnis und Rücksichtnahme

Zu Gast bei muslimischen syrischen Freunden. Die Dame des Hauses bittet mich, das Tischgebet zu sprechen. Was nun ist der rechte Weg, der Bekenntnis angemessen mit Rücksichtnahme verbindet?
Natürlich mache ich das Kreuzzeichen. Aber das «durch Christus, unseren Herrn», das die Gastgeber nicht mitbeten könnten, spreche ich nur leise.
Das Essen war köstlich.

W.H.W

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Orietur Occidens

Die Gewichtung der Messe

Montag, 6. Mai 2019

Messe oder Vortrag?

Ein sehr interessanter Vortrag im Gemeindesaal unserer Kirche im Gründerzeitviertel, veranstaltet von der Katholischen Akademie: «Mit Pluralität leben – muslimische Lebenswelten in Deutschland und Sachsen».
Nur leider: er beginnt heute um 18 Uhr – um 18 Uhr aber wird in der Kirche die Messe zelebriert, die einzige Messe des Tages hier.

Festlicher Raum fürs vergessene Fest

Die Messe aber gewährt uns eine zusätzliche Freude: unsere Klage, daß Festtage beim Raum für die Meßfeier nicht beachtet werden, ist erhört worden: Wenn auch das heutige hohe Fest, das des heiligen Johannes an der Lateinischen Pforte, im neuen Kalender gar nicht erscheint, so wird die Messe heute doch festlich am Hochaltar gefeiert.

W.H.W

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