Bedrohte Feste

13. Januar

Oktav von Epiphanie – Taufe des Herrn

Tribus miraculis ornatum diem sanctum colimus:
hodie stella magos duxit ad praesepium;
hodie vinum ex aqua factum est ad nuptias;
hodie in Iordanae a Iohanne Christus baptizari voluit,
ut salvaret nos
– so sagt es die Antiphon zum Magnificat der II. Vesper von Epiphanie (und ähnlich die zum Benedictus).
Diesen drei Ereignissen ist also das Fest gewidmet. Doch seit alters her ist ihre besondere Feier verteilt auf die Tage um dieses Fest: am Festtag selbst steht im römischen Ritus die Anbetung der Magier – die Epiphanie vor den Heiden – im Vordergrund, am Oktavtag die Taufe des Herrn – die Epiphanie vor dem Volk Israel – und am Sonntag danach das Weinwunder von Kana – die Epiphanie seiner Wundermacht. Ausgelassen ist dabei der Sonntag innerhalb der Oktav; er gilt einem Ereignis, das zwar nicht zu diesen «tribus miraculis» gezählt wird, aber doch ebenfalls eine Epiphanie darstellt: dem zwölfjährige Jesus im Tempel – der Epiphanie im Heiligtum zu Jerusalem, auf dem Sion.
Die Oktav von Epiphanie ist eine der ältesten, bezeugt schon in karolingischer Zeit*). Im Decretum Gratiani, das Teil des bis 1917 gültigen CICs ist, gehört sie zu den gebotenen Feiertagen; allerdings wurde sie 1642 von Urban VIII. nicht in die fortan geltende Liste aufgenommen. Anders als etliche andere Oktaven hat sie eigene Texte: für die Messe Orationen sowie Lesung (I Tim. 1, 15-17) und Evangelium (Joh. 1, 29-34), fürs Stundengebet Antiphonen zur Matutin (Veterem hominem &c.) und zu den Laudes (Baptizat miles &c.; zum Benedictus: Præcursor Johannes exultat).
Noch im Breviarium secundum consuetudinem romanae Curiae sind all diese Antiphonen erhalten; doch im tridentinischen Brevier von 1568 gibt es nur noch Nachtlesungen und die Oration von der Taufe des Herrn, im Missale Romanum von 1570 nur Evangelium und Orationen; alles übrige ist nun vom (ersten) Festtag, so daß der Oktavtag weitgehend wie ein zweiter Dreikönigstag erscheint.
Eine gewisse Verbesserung hat hier der Novus Ordo gebracht: nun hat das Fest der Taufe des Herrn wieder mehr Eigentexte. Allerdings wurden von den alten Texten nur ein geringer Teil wieder aufgenommen: die alte Epistel ist verschwunden; und die Antiphonen des Stundengebets sind größerenteils durch neue Texte ersetzt worden.
Zudem haben die Normae universales für Kirchenjahr und Kalender von 1969 das Fest verschoben auf den vorangehenden Sonntag. Das hat einen gewissen Vorteil: die Gottesdienste dieses Festes sind so für mehr Katholiken zugänglich. Doch andererseits wurde so die Festoktav ganz beseitigt – die freilich schon seit 1960 nicht mehr als Festwoche bestand –, vor allem aber das Gedächtnis des zwölfjährigen Jesu im Tempel an den Rand gedrängt: dieses Evangelium wird jetzt nur noch im „Lesejahr C“ gelesen, und zwar am Fest der heiligen Familie – dadurch tritt der epiphanetische Charakter dieses Ereignisses zurück gegenüber einer devotionalen oder moralischen Betrachtung.
W.H.W.

*) Un « Comes » carolingien de la Haute-Italie. Ed. Robert Amiet, E.L. 73 (1959), S. 343

Orietur Occidens

3. Mai

Fest des Heiligen Kreuzes

Wer sich will freun von Herzen
der heil’gen Osterzeit,
der geh’ zum heil’gen Kreuze,
das uns gebracht die Freud’,
die Freud’ in Jesu Christ,
der nun erstanden ist.
Über die ganze Kirche verbreitet ist das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September. Dieser Termin geht zurück auf die Weihe der Anastasis, der Auferstehungskirche in Jerusalem am 13. September 335. Aber der römische Festkalender kennt noch ein zweites Kreuzfest, am 3. Mai. Dieses Fest ist wohl aus dem gallischen Raum nach Rom gekommen, zuerst im jüngeren Gelasianum bezeugt. Im späteren römischen Kalender wird das Fest am 3. Mai der Auffindung des Heiligen Kreuzes gewidmet, das am 14. September dessen Wiedererlangung im Jahre 628, nachdem es vierzehn Jahre zuvor vom persischen Großkönig Chosrau II. geraubt worden war.
Der Festlegende nach wurde es von Sinochius (es muß sich um Ardaschir III. handeln), der aus dynastischen Wirren als neuer Großkönig hervorging, der sich nun vom Kaiser Rückendeckung verschaffen wollte, aufgrund eines Vertrages an Kaiser Herakleios zurückgegeben. Die weltliche Geschichtsschreibung allerdings sieht die Rückgewinnung des Heiligen Kreuzes weniger friedlich.
Aber das Fest der Kreuzerhöhung ist ja viel älter als diese Wechselfälle des VII. Jahrhunderts, es ist das Fest, dem das Gedächtnis der Auffindung des Heiligen Kreuzes im Jahre 325 oder 326 eigentlich zukommt. Das Fest am 3. Mai muß also eine andere Bedeutung haben. Zwar kann man es als zufälliges Regionalfest betrachten, das von irgendwo aus dem alten Gallien ins Gelasianum eingedrungen wäre; doch näher liegt es, seinen Ursprung im Osten zu suchen.
Am 7. Mai 351 – im Osten des Reiches regierte der Arianer Constantius – erschien über Golgotha am Himmel lange Zeit ein großes hellstrahlendes Kreuz. Dieser Tag, dieses Ereignis wird in der byzantinischen Kirche alljährlich gefeiert. Und dieses Fest wird auch dem lateinischen Fest am 3. Mai zugrundeliegen.
Daß in verschiedenen Riten die Feier von Festen um ein, zwei Tage divergiert, ist nichts ungewöhnliches. Auch das anschließende Fest des heiligen Apostels Johannes wird ja im Westen zwei Tage eher gefeiert als im Osten. Eine Divergenz von vier Tagen ist etwas ungewöhnlicher, aber angesichts des Umweges des Festes über den gallischen Raum kein Einwand gegen die Gleichsetzung der Festfeiern.
Die Kalenderreform von 1960 allerdings läßt dieses Fest beiseite.
W.H.W.
Krüßing
ad Tiliam

Orietur Occidens

6. Mai

Fest des heiligen Johannes an der Lateinischen Pforte

In Rom an der Lateinischen Pforte, so ist überliefert, wurde der Apostel und Evangelist Johannes seines Glaubenszeugnisses wegen der Marter unterworfen, in einen Kessel mit glühendem Öl geworfen. Doch ging er unversehrt daraus wieder hervor. So erfüllte sich an ihm, der als einziger Apostel eines natürlichen Todes starb, das Wort des Herrn: «Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden» (Mc. 10, 39). Sein Bruder – Primus ex apostolis martyr Jerosolymis Jacobus egregio sacer est martyrio – war ihm bereits vorangegangen (Act. 12, 2).
Dies feiert die römische Kirche am 6. Mai. Dort, wo dies geschehen ist, im Süden von Rom, an der Lateinischen Pforte (an einem Stadttor also, das nach Latium führte), steht eine Kirche, errichtet zum Gedenken an dieses Ereignis.
Das primäre Fest des heiligen Johannes begeht die römische Kirche nach dem Vorbild Jerusalems – dort wurde, bezeugt seit dem späten IV. oder frühen V. Jahrhundert, am 29. Dezember das Fest der heiligen Apostel Jacobus und Johannes gefeiert – am 27. Dezember; ähnlich hält es heute noch die armenische Kirche. Die byzantinische und die syro-antiochenische Kirche aber feiern diesen Apostel am 8. Mai – ein Termin, der sicher dem römischen im Mai entspricht.
Die Kalenderreform von 1960 allerdings läßt dieses Fest beiseite.
W.H.W.

Orietur Occidens

1. August

Fest der Makkabäischen Märtyrer

Seit der ältesten Zeit der Kirche haben die Feste der Märtyrer hohe Bedeutung. Natürlich handelt es sich in aller Regel um christliche Märtyrer. Aber zumindest seit dem IV. Jahrhundert, bezeugt im Altarmenischen Lektionar, findet sich unter ihnen ein Fest von Märtyrern des Alten Bundes, der heiligen makkabäischen Brüder und des Eleazar, deren Martyrium im II. Makkabäerbuch (6 - 7) ausgiebig dargestellt wird. Die Feier dieses Festes haben die lateinische und die byzantinische Kirche bis heute bewahrt.

Petri Kettenfeier

Doch wird das Fest der Makkabäer im römischen Ritus, anders als etwa im visigothischen (= mozarabischen), nur kommemoriert, da auf denselben Tag Petri Kettenfeier fällt, die den vom Engel gelösten Ketten (Act. 12, 3-10) gewidmet ist.
Die Kalenderreform von 1960 allerdings läßt Petri Kettenfeier beiseite, im Kalender des Novus Ordo ist auch vom Fest der Makkabäer nichts mehr zu finden.
W.H.W.

Orietur Occidens