Liturgica II
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Die Bischöfe der Piusbruderschaft
Die Geschehnisse der Tage
Mittwoch, 21. Januar 2009:
Der Papst unterzeichnet einen Erlaß, mit dem er die Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft aufhebt.
Diese Bischöfe waren 1988 von Erzbischof Marcel Lefèbvre gegen den Willen des Vatikans konsekriert worden waren. Das war widerrechtlich; darum wurden sie exkommuniziert. Allerdings ging jenen Bischofsweihen eine lange Kette von Enttäuschungen und Verletzungen voraus. Weil nun ein Teil jedenfalls dieser Bischöfe, darunter der Generalobere der Bruderschaft, sich um Aussöhnung bemühten und weil an diesen Bischöfen viele Priester und noch mehr Laien hängen, deren geistliches Leben durch die Trennung beschädigt wird, hat der Papst um ihretwillen und vieler Gläubiger willen die damalige Exkommunikation nun aufgehoben.
In die Öffentlichkeit dringen hierüber zunächst nur Gerüchte.
Freitag, 23. Januar 2009:
Noch bevor das päpstliche Dekret veröffentlicht worden ist, wird ein Fernsehinterview bekannt, in dem einer der vier, Bischof Williamson, die Scho’a weitgehend leugnet.
Bischof Williamson hat schwere Schuld auf sich geladen mit diesen abwegigen Aussagen. Von kundigen Beobachtern wird angenommen, daß er so die Versöhnung seiner Bruderschaft mit Rom, die er bekanntermaßen ablehnt, zu hintertreiben sucht. Aber er ist 1988 nicht dieser heutigen Aussagen wegen exkommuniziert worden. Und die anderen Bischöfe der Bruderschaft sind daran ganz unbeteiligt, die Piusbruderschaft insgesamt ist solcher Anschauungen völlig unverdächtig – René Lefèbvre, der Vater des Gründers, ist seinerzeit ins KZ Sonnenburg eingeliefert worden und dort umgekommen, weil er sich um die Rettung verfolgter Juden bemüht hatte.
Williamsons Schuld bleibt bestehen. Leider kommt die Aufhebung der Exkommunikation auch dem Unwürdigen zugute. Aber ihm ist das Böse vorzuwerfen, das er tut; es ist kein Grund, daß er und mit ihm auch die, die die Aussöhnung angestrebt haben, einer ganz anderen Sache wegen weiterhin exkommuniziert bleiben sollten.
Samstag, 24. Januar 2009:
Das päpstliche Dekret wird veröffentlicht.
Nun beginnt eine Medienkampagne gegen den Papst mit Behauptungen von der Art: «Papst rehabilitiert Holokaustleugner». Solche Behauptungen sind falsch und irreführend. Irreführend, weil die Aufhebung der Exkommunikation nichts zu tun hat mit der Leugnung der Scho’a. Falsch, weil der Papst die vier Bischöfe nicht rehabilitiert, sondern nur aktuell von der Exkommunikation befreit hat – aktuell, nicht rückwirkend; also ist Williamson nicht rehabilitiert worden, sondern nur partiell begnadigt – partiell, weil die Suspendierung der vier Bischöfe von ihrer Weihevollmacht und allen kirchlichen Ämtern fortbesteht. Nach der Aufhebung der Exkommunikation dürfte Williamson in der katholischen Kirche zwar beichten (was er dringend tun sollte), jedoch nicht sein Bischofsamt ausüben.
Dienstag, 27. Januar 2009:
Bischof Fellay, der Generalobere der Piusbruderschaft, weist die Aussagen Williamsons sehr scharf zurück, wirft ihm vor, mit ihnen die Grenzen der Autorität seines Amts zu ignorieren, und verbietet für die Zukunft Williamson den Mund. Das ist noch mehr als die Zurückweisung durch Rom, denn Williamson haßt den Vatikan – er spricht ja ständig vom «besetzten Rom» –, kann aber seinen eigenen Oberen nicht ebenso leicht abtun. Wäre Bischof Fellay nicht gestärkt gewesen durch die Aufhebung der Exkommunikation, hätte in den Augen der Bruderschaft der bisherige Belagerungszustand fortbestanden, so hätte er sich eine solche Kritik an seinem Mitbischof, der ja den gleichen hierarchischen Rang hat, und einen solchen Machtspruch schwerlich leisten können.
Freitag, 30 Januar 2009:
Bischof Williamson entschuldigt sich beim Papst und bei seiner Bruderschaft für seine Äußerungen.
Das Ergebnis dieser Tage: der Papst hat der Piusbruderschaft weniger zugestanden, als sie gewünscht hätte: er hat die Exkommunikationen zurückgenommen, aber nicht für ungültig erklärt; er hat mehr erreicht, als man noch vor einer Woche für möglich gehalten hat: selbst der schärfste Gegner der Versöhnung, Bischof Williamson, ist von seinem Konfrontationskurs gewichen.
Seine Entschuldigung ist freilich noch zu wenig: noch hat er sie nicht deutlich auch inhaltlich zurückgenommen, noch hat er sich nicht beim jüdischen Volk entschuldigt. Zumindest aber kann er nun nicht mehr auf diesen Äußerungen beharren, erst recht nicht mehr sie wiederholen. Der Feind der Aussöhnung, den Paul Badde als «Selbstmordattentäter» bezeichnete, hat aufgegeben.
Die Bischöfe der Piusbruderschaft und Zacchäus
Zur Göttlichen Liturgie gehe ich in eine Kirche des byzantinischen Ritus. Schon die Dritte Antiphon läßt mich an den Papst denken:
«Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse gegen euch verleumderisch sagen um meinetwillen. Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.»
Das Evangelium ist das von Zacchäus. Und hierin erkenne ich erst recht die Geschichte der vergangenen Tage:
Zacchäus will den Herrn sehen
— Bischöfe der Piusbruderschaft wenden sich an den Heiligen Stuhl, möchten mit ihm versöhnt werden.
Der Herr sagt zu Zacchäus, er wolle bei ihm einkehren; Zacchäus nimmt ihn auf
— der Papst nimmt die Bischöfe wieder auf in die Gemeinschaft der Kirche.
Alle empören sich, daß der Herr bei einem Sünder eingekehrt
— alle empören sich, daß der Papst Menschen aufnimmt, unter denen einer sich schwer schuldig gemacht hat.
Zacchäus bereut und kehrt um
— der Generalobere unter den Bischöfen weist die falschen und unrechten Aussagen energisch zurück, und wie er tun das andere Obere der Bruderschaft; er weist seinen Kollegen scharf zurecht und verbietet ihm für die Zukunft das Wort.
Der Herr sagt, daß heute diesem Hause Heil zuteil geworden ist.
W.H.W
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Venner Messe
Leider kann ich nur selten an der
• Venner Messe • teilnehmen; heute aber ist sie der Anfang des Conventus principalis anni unserer Sodalitas.
Viele – Ministranten und Mitglieder der Schola sowieso, aber nicht nur sie – sind schon lange vor Beginn da. Verschiedenste Menschen, vom jugendlichen Ministranten bis zum Hochschullehrer und zur älteren Frau vom Lande.
Draußen vor der Kirche, etliche Zeit nach der Messe, spricht mich die Frau vom Lande an: «War das nicht schön?!» Sie braucht noch einige Zeit des Gesprächs, um ihrer Begeisterung Raum zu geben.
W.H.W
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Ein Alltäglicher Sonntag
Sonntagsmesse in einer Vorstadtkirche am Rande des Ruhrgebiets. Heute wird das Evangelium von der Frau am Jakobsbrunnen gelesen. Wovon handelt es? Von Wasser. Also ist heute Wasser das Thema. Ein Junge und ein Mann aus der Gemeinde spielen ein Gespräch vor zwischen Enkel und Großvater in Burkina Faso um die Nöte mit dem Wasser in den Zeiten der Klimaveränderung; die beiden beherrschen den Entwicklungshelferjargon perfekt. Dafür fallen die Lesungen vorm Evangelium aus. Die Predigt geht auch ums Wasser. Irgendwo kommt dann auch Jesus vor, der unser Freund sei und uns verstehe.
Nur: Freunde habe ich schon; und wenn ich verstanden werden will, weiß ich meist mich selbst verständlich zu machen. In der Kirche würde ich lieber hören, daß es bei Jesus um sehr viel mehr geht.
Aber auch in dieser Kirche? Das Neue Geistlose Liedgut hat ausgiebig Gelegenheit, seinen Namen zu begründen; und immerzu wuseln vorne Kinder herum. Kinder singen im Chor, der Gemeinde zugewendet, den Rücken zum Altar. Sie scheinen den Altar gar nicht zu bemerken; er dient vor allem dazu, das Mikrophon und derartiges darauf bereitzulegen und wieder abzulegen.
Den Priester halte ich für einen gläubigen Mann; aber er scheint nicht zu bemerken, daß bei dem, was da als Gottesdienst stattfindet, der Glaube kaum vorkommt, geschweige denn die Hinwendung zum Herrn.
Beim Hinausgehen höre ich, wie der junge Mann, der den Großvater gespielt hat, angesprochen wird: das habe er aber gut gemacht. Er habe ja auch geübt, antwortet er. Da liegt ein Problem solcher «Liturgie»: mag sie sich noch so sehr von echtem Gottesdienst entfernen, man kann es schlecht sagen, denn es sind etliche Menschen dabei, denen mit besonderen Aufgaben geschmeichelt wurde, daß jedwede Kritik irgendwen kränkt, der doch sein Bestes zu tun meinte.
W.H.W
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Laetare Jerusalem
...und dann gehe ich als Chorleiter/Kantor vorher in die Sakristei und die beiden kleinen Meßdiener sagen: «Is’ heute Familienmesse/Kindergottesdienst?» (Es waren zwei - daher die unterschiedlichen Ausdrücke!) - Ich «Nein!» - Antwort: «Puh - Glück gehabt - das ist immer so langweilig!»
Laetare Jerusalem!
Th.B.
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Byzantinische Pontifikalvigil
Pontifikalvigil in St. Prokop. Die meiste Zeit steht der Bischof, kaum sichtbar, im Altarraum, dem Altar zugewandt. Erst als die Feier auf die Verkündigung des Auferstehungsevangeliums zugeht, kommt er, nun mit den Pontifikalgewändern bekleidet, hervor. Der Bischofsstab steht draußen vor der Ikonostase bereit. Im Altarraum benutzt er ihn nicht; dort ist der Hirte ausschließlich ein anderer.
W.H.W
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Participatio actuosa ist aus der Mode
Präsanktifikatenmesse in einer Vorortkirche am Nordrand des Ruhrgebietes. Eine sehr schlichte Feier; dafür wird um so mehr erklärt. Bei der Passion darf man gemütlich sitzen (ob dem Herrn bei den Hohepriestern und bei Pilatus wohl auch ein Sitzplatz angeboten wurde?). Beim Verscheiden des Herrn allerdings knien doch alle. Bemerkenswert der Sänger des Evangelisten, wie er vor seinem Mikrophonständer niederkniet – so sieht man, was in der heutigen Kirche das wichtigste ist.
Auch bei den Großen Fürbitten spart man sich alle Participatio actuosa: gekniet wird nicht. Dafür sind die Orationen selbstgemacht.
Zur Kreuzverehrung wird ein drittes Mal erklärt, was wir nun tun sollen, auch, ganz ausführlich, was das bedeutet. Dafür spart man sich alle Umstände wie Ver- und Enthüllen.
Und nun die Kommunion. Eingeleitet wird sie mit der Erklärung, nun werde das Brot verteilt, das an die Hingabe Jesu erinnere.
Ich erinnere mich, daß ich in dieser Kirche in meiner Kindheit anderes erlebt habe; damals waren zwei gute Priester hier – der damalige Kaplan ist heute Erzbischof von Hamburg. Schade!
W.H.W
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Gottesdienst
Ostermessen in einer Vorortkirche am Nordrand des Ruhrgebietes. Eigentlich bin ich ja gewarnt, nicht nur vom Karfreitag. Aber für einen alten Menschen, den ich nicht alleinlassen möchte, ist diese Kirche am besten zu erreichen; und in der Osternacht hatte ich anderswo eine wirkliche Feier erlebt, so daß ich nun wieder etwas verkraften kann.
Es ist eigentlich nichts anderes als man in so vielen anderen Kirchen erlebt; aber die alltäglichen Schrecken treten hier archetypisch massiert auf.
Der Priester tritt ein, begleitet von Damen und Herren in – zum Teil etwas eigenwilliger – Straßenkleidung, die dann, hinten im Altarraum, versus populum zu Seiten des Priestersitzes sitzen, um dann zu Lektoren- oder Kommunionhelferdiensten hervorzukommen.
Der Priester geht nach dem Einzug schnellstens zum Ambo, betrachtet schon die Gemeinde, während die noch eine Strophe des Liedes zum Einzug singt. Dann fängt er an zu begrüßen, teilt schließlich mit, daß wir nun diesen Gottesdienst beginnen «im Namen des ... » – nun also wird also doch noch der erwähnt, um den es eigentlich gehen soll.
Das Ordinarium wird vollständig ersetzt durch deutsche Lieder, bei denen gelegentlich ein Zusammenhang mit dem verdrängten Gesang zu erahnen ist. Gern singt der Priester mit der Gemeinde mit – GL hoch über dem Altar; somit wird der Altar, ein Symbol des Herrn, ignoriert –, so auch eine Strophe des Liedes, das das Agnus Dei vertritt. Vor einer Lesung erklärt der Lektor noch, was man gleich hören wird. Während am Ostersonntag der Priester bei der Begrüßung erklärt hatte, daß man nichts Genaues sagen könne, und die Predigt sich in einer Moralrede erschöpft hatte, kommt am Montag doch noch die Osterbotschaft vor.
Bei der Wandlung erhebt der Priester die Hostie mit nur einer Hand – „Kürzlich hörte ich einen afrikanischen Vater seinem Sohn erklären: Wenn du Gästen etwas bringst, immer es mit beiden Händen halten, auch wenn es leicht ist, aus Achtung vor den Gästen!“ (
Neue kritische Prüfung des «Novus Ordo Missae», cap. Der Novus Ordo: Das, was fehlt). Der Embolismus fällt aus, dafür spricht die Gemeinde das Gebet zum Friedensgruß mit. Selbst am Sonntag, wo nicht sehr viele in der Kirche sind, wird ein Kommunionhelfer herangezogen. «Ein außerordentlicher Diener der heiligen Kommunion kann nämlich die Kommunion nur austeilen, wenn Priester und Diakon fehlen ... oder wenn die Zahl der zur Kommunion herantretenden Gläubigen so groß ist, daß die Feier der Messe selbst allzu sehr ausgedehnt würde. Das ist jedoch so zu verstehen, daß eine kurze Verlängerung ein völlig unzureichender Grund ist, gemäß den Umständen der Dinge und der Kultur des Ortes» schrieb Papst Johannes Paul II. in Redemptionis Sacramentum (C. VII, 1. [158.]). Wenn also die Austeilung eine Viertelstunde dauert statt fünf oder zehn Minuten, so ist es rechtswidrig, Laienhelfer dazu heranzuziehen – und gegen den Sinn des Sakraments erst recht; man lese beim heiligen Thomas nach (S.Th. III., q. 83., art. 3.).
Zum Schluß kommuniziert, mit Kelchkommunion, die Entourage des Priesters und als letzter dann er selbst.
Zum Schluß der Messe, nach Vermeldungen, verzichtet er nicht darauf, der Gemeinde Gelegenheit zu einem «Danke, gleichfalls» zu geben.
Woran könnte man erkennen, daß dies ein Gottesdienst war?
W.H.W
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Eine abwechslungsreiche Vesper
Die Kirche im Gründerzeitviertel einer obersächsischen Stadt feiert ihr 100. Kirchweihfest. Es wird eröffnet mit einer ökumenischen Vesper. Ökumenisch – das hat den Preis, daß eine Dame mit Beffchen den Priestersitz einnimmt; der Priester sitzt daneben. Aber immerhin: es ist der Priester, der den Schlußsegen spendet. Ökumenisch – das ist der Preis dafür, daß eine wirklich mitreißend gute Schola singt; sie singt Gregorianik und archaïsche Mehrstimmigkeit, so etwa einen Falsobordone.
Aber ökumenisch – das scheint auch zu bedeuten, daß man das Rad, sprich: die Vesper, neu erfinden muß. Oder ist das einfach Werk moderner Liturgiemacher?
Es beginnt mit dem Einzug des Osterlichts (früher Osterkerze genannt). Das darf ich als Lucernarium gelten lassen. Mit einem mozarabischen Eingangsruf und einer vom Kantor wohlgesungenen mehrteiligen Benediktion wechselt ein Liedruf. Er ist in den Noten als Kanon gesetzt, und ich überlege, ob er als Kanon etwa klingen könnte. Als Liedruf jedenfalls klingt er nicht; das ist unüberhörbar, denn er wird recht oft gesungen.
Der Hymnus folgt, dankenswerterweise nur von Schola und Kantor gesungen.
Nun der erste Psalm: die Schola singt die gregorianische Antiphon, das Volk spricht, sine nota, im Wechsel.
Den zweiten Psalm singt der Chor mit einer deutschen «Chorstrophe» als Antiphon. Schön und gut; jedoch hat das Volk immer an die Chorstrophe noch eine GL-Antiphon anzuhängen.
Das neutestamentliche Canticum ist einem apokryphen Buch entsprungen, das jedenfalls jünger ist als ich; und der Komponist wird sicher nicht in die Musikgeschichte eingehen.
Das Capitulum gerät zu einer sehr langen Lesung, sine nota, nur gesprochen. Das Responsorium aber singt die Schola, lateinisch, eine Wohltat. Lateinisch ist auch das Magnificat mit seiner Antiphon, unterbrochen von spätromantischen Orgelversetten. Nur leider – wieder hat das Volk an die Antiphon noch eine deutsche GL-Antiphon anzuhängen. Auf dem Altar brennt Weihrauch, immerhin; ist etwa eine richtige Inzensation des Altars nicht ökumenisch genug?
So großartig der musikalische Teil auch ist – es ist schwer, sich auf die Psalmodie einzulassen, weil das Immer-wieder-etwas-Neues die Aufmerksamkeit absorbiert. Und daß das Volk gehalten ist, mit eher trivialen Liedrufen und Antiphönchen das musikalische Niveau der Feier zu drücken, erscheint mir nicht als participatio actuosa.
W.H.W
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60er-Jahre-Revival
Statt in die Pfarrkirche meines Gründerzeitviertels mache ich mich doch lieber auf den längeren Weg in die Propsteikirche. Diese Kirche zeigt eine reizvolle Neostromanik (oder besser, unter uns Humanisten, Neotatoromanik). Und die Liturgie verdient diesen Namen; hier ist gut sein, scheint mir.
Jedoch was ich in den letzten Monaten in meiner bisherigen Pfarrkirche dicht unterm Nordrand der bewohnbaren Welt, dann in meiner neuen Pfarrkirche erlebt habe, ist auch hierher vorgedrungen: wie in den sechziger Jahren steht am Kircheneingang eine Schale mit Hostien, die die Kommunionkandidaten in die Patene umschaufeln sollen.
Krampfhaft das Tabernakel zu meiden befremdet mich ebenso wie der frühere Brauch, in der Regel nur die Hostie für den Priester in der Messe zu konsekrieren, den Laien die Kommunion nur aus dem Tabernakel zu spenden – bilden nicht der Leib des Herrn auf dem Altar und der im Tabernakel eine Einheit?
Außerdem: dank der abwechslungsreichen Liturgie unserer Zeit wage ich es nur in bewährt zuverlässigen Kirchen, mich schon vor der Messe zu entscheiden, zur Kommunion zu gehen.
W.H.W
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Ganz besondere Meßtexte
Sonntagsmesse in der Vorortkirche am Nordrand des Ruhrgebiets. Wieder einmal zieht der Pfarrer umgeben von zwei ganz unliturgischen Damen ein. Die eine (zuvor war sie bei der Wandlung dadurch aufgefallen, daß sie jede Kniebeuge vermied) liest nach der Kommunion (mich stört es nicht zu sehr in meiner Andacht; ich habe nicht kommuniziert) eine Anekdote von Mutter Theresa vor. Es ist ein längeres Gedicht, mit dem Mutter Theresa einen Besuch in einem westlichen Heim kommentiert. Sonderbar: warum hat Mutter Theresa, die Albanerin, die später vor allem Englisch sprach, ein schlechtes deutsches Gedicht geschrieben?
Zum Schluß eine
dreiteilige Segensformel. Aber nicht aus einem altgallischen Pontificale, sondern einer der irischen Segenssprüche, die vor einigen Jahren so beliebt waren – bei Karikaturisten jedenfalls zu recht beliebt.
W.H.W
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Gestalteter Gottesdienst
Oft höre ich, Gottesdienste dürften nicht gestaltet werden. Wörtlich genommen ist das nicht richtig, denn jeder mehrstimmige Gesang etwa ist ja eine Gestaltung der gottesdienstlichen Feier, die doch niemand wird untersagen wollen. Dennoch stimme jenem Satz gerne zu, denn gemeint ist, daß die liturgische Ordnung nicht durch persönliche Einfälle gestört werden darf.
Heute aber werde ich nachdenklich. In der Propsteikirche ist Firmung. Nachdem der Bischof dem Firmling «Der Friede sei mit dir» gesagt hat, sagt jeweils der Pate laut einen Schriftvers.
In einer Zeit, in der der Verdacht sich ausbreitet, daß man viele Firmlinge und Firmpaten nach der Firmung so schnell nicht wieder in einer Kirche sehen wird, wirken diese Sätze aus dem Mund der Paten, die ganz oft wie Bekenntnisse klingen, wohltuend. Sicher, das persönliche Gebet für die Firmlinge fördern sie nicht; aber ich denke, während der langen Zeremonie wäre ich auch sonst – und viele andere ebenso – vom Gebet abgelenkt worden.
W.H.W
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Kommunionausteilung in St. Prokop
Es sind nicht wenige, die herantreten; und im byzantinischen Ritus geht nichts schnell. Aber dennoch teilt nur ein Priester die Kommunion aus; der Konzelebrant (an Laien als Kommunionhelfer ist hier sowieso nicht zu denken) steht im Chorraum und betet.
W.H.W
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Das Volk macht mit
Vorabendmesse in einer Kirche im Gründerzeitviertel. Der Pfarrer ist in Urlaub; ein fremder Priester feiert die Messe. Zum Gloria wird GL 450 gesungen: «Wir glauben an Gott Vater».
Der fremde Priester hört, schaut ins Buch und wundert sich.
Zum Zwischengesang folgt dann GL 486: «Preis und Ehre Gott dem Herren, Friede soll den Menschen sein».
Der Priester hört und wundert sich, geht schließlich zum Ambo, ohne mehr abzuwarten, was wohl zum Alleluja gesungen werden mag.
Die Gemeinde aber macht aus voller Brust das alles mit.
Das ist kurios, fällt auf. Aber ich denke darüber nach, daß letztlich schlimmer das ist, was nicht auffällt, sondern Alltag ist, daß nämlich zur Opferung GL 490 gesungen wird:
Was uns die Erde Gutes spendet,
was unsrer Hände Fleiß vollbracht,
was wir begonnen und vollendet,
sei, Gott und Herr, zu Dir gebracht.
Und mir kommt der Gedanke, daß, wenn der Zelebrant oder ein Gemeindergewaltiger das Volk auffordern würde, im Gottesdienst Yoga-Übungen zu machen, das höchstens daran scheitern würde, daß die meisten es einfach nicht schaffen, die Beine im Nacken zu verschränken.
W.H.W
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Neue Sitten oder neue Unsitten?
Schon im hohen Norden
war es mir begegnet; nun, nach meinem Umzug nach Obersachsen, stoße ich allerorten darauf: am Kircheneingang steht eine Schale mit Hostien, die die Kommunionkandidaten in die Patene umschaufeln sollen.
Außerdem fällt mir auf, daß zur Opferung die Gemeinde stehen bleibt, bis die Ministranten die Patene zum Altar gebracht haben. Zuerst befremdet mich das; dann aber werde ich nachdenklich: ist das nicht etwas wie der Große Einzug des byzantinischen Ritus, bei dem ja auch niemand zu sitzen wagte?
Nach einiger Zeit gewahrte ich, daß dieser Vergleich falsch ist. Im byzantinischen Ritus sind die Gaben, die beim Großen Einzug zum Altar getragen werden, vielfach geheiligt worden: sie sind gesegnet worden, sind durch vielfältige Riten dargebracht worden, zu Bildern des geopferten Lammes geworden. Im neuen römischen Ritus dagegen sind sie bisher nur von Laien umgeschaufelt worden; wenn sie dann wirklich vom Priester dargebracht werden, sitzt die Gemeinde.
Ich werde auch künftig nach Credo und Fürbitten mich setzen.
W.H.W
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Neue Hoffnung?
Wieder einmal in der Heimat, in jener Vorstadtkirche am Rande des Ruhrgebiets,
von der
hier schon
öfters die
Rede war. Ich habe erfahren, daß man hier nun einen anderen Pfarrer bekommen habe. Und so bin ich gespannt, ob es nun hier anders wird.
Der Priester zieht ein. Nach dem Eingangslied: «Liebe ... , ich möchte mich Ihnen vorstellen ...». Und danach eröffnet er dann diesen Gottesdienst «im Namen des ...».
Es hat sich also nichts geändert.
Aber vielleicht später doch noch? Er ist nicht der neue Pfarrer, sondern vertritt ihn nur für einige Wochen.
W.H.W
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Was ist Participatio actuosa?
Sonntagsmesse in meiner Pfarrkirche im Gründerzeitviertel. Ich wollte etwas ausschlafen, darum war mir der Weg in die Propstei zu weit.
Alttestamentliche Lesung: Elias und die arme Witwe. Evangelium: die Witwe, die ihre zwei Scherflein in den Tempelschatz gibt. Dann tritt eine Frau auf und erzählt das Märchen von Sterntaler, erklärt dann, daß das ganz ähnlich sei wie in den Lesungen. Ihre Ansprache vertritt die Predigt; der Pfarrer und sein Konzelebrant bleiben untätig sitzen. Später wird der Konzelebrant auch bei der Kommunionausteilung stehen-, dann sitzenbleiben, während der Pfarrer zusammen mit einem Laien austeilt. Wozu dient da eigentlich eine Konzelebration?
Aber zurück zur Ansprache: in den Bänken sind Papiersterne und Stifte ausgelegt; ein jeder soll etwas Entsprechendes auf einen Stern schreiben. Dann sollen diese Sterntaler eingesammelt werden und ... (was dann, habe ich vergessen). Soll das Participatio actuosa sein? Nur: Teilnahme woran? – mit Gottesdienst haben solche Einfälle jedenfalls nichts zu tun. Und ich möchte die Liturgie feiern, nicht mich während der Feier mit irgendjemandes persönlichen Vorstellungen beschäftigen müssen.
W.H.W
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Das ist Participatio actuosa
An diesem Sonntag bin ich wieder einmal nach Berlin geraten. Das ist nicht nur ostelbische Wüste, das ist auch eine geistliche Oase:
St. Afra. Es ist nicht nur der außerordentliche Ordo, nicht nur die besondere Kirche, was den Gottesdienst dort so schön werden läßt. Es ist das gemeinsame Wollen aller, die kommen. Und es sind schlichte Détails, an denen sich das zeigt.
Es ist schon vor der Messe der Küster, der die Kerzen auf der rechten Seite des Altars anzündet, dann nicht etwa einfach auf der obersten Stufe am Altar vorbei zur anderen Seite geht, sondern zuerst die Stufen herabsteigt, unten die Kniebeuge macht und dann auf der linken Seite wieder hinaufsteigt, um auch dort die Kerzen anzuzünden.
Es ist der Priester selbst, der auch an einem einfachen Sonntag festlich durch die Mitte der Kirche einzieht (was dadurch begünstigt wird, daß St. Afra keine Sakristei im Chorbereich hat), der auch an einem einfachen Sonntag Weihrauch darbringt.
Es sind die kleinen Ministranten, die auch dann andächtig betend knien, wenn sie nicht vom Priester beobachtet werden.
Und es gibt zum Schluß eine besondere Participatio actuosa, wenn zwei ganz kleine Kinder anscheinend motu proprio die Blätter mit den Meßtexten wieder einsammeln.
W.H.W
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.. was soll es bedeuten
Sonntagsdienst – also bleibt mir nur die Vorabendmesse in meiner Pfarrkirche.
Vor dem Adventskranz, auf hohem Ständer neben dem Altar, steht eine Tür – sie steht einfach so dar; ich nehme an, sie soll etwas bedeuten (Achtung: etwas, was etwas bedeuten soll, ist kein Symbol, sondern ein Rebus; ein Symbol soll nicht etwas bedeuten, sondern es bedeutet etwas). Die Tür ist auf Papier gezeichnet, der Rahmen ist aus Holz. Er ist häßlich, handwerklich ordentlich gemacht, aber lieblos zusammengestückelt.
Ich wünsche nicht, daß in meiner Kirche etwas Häßliches herumsteht, nur weil es etwas bedeuten soll.
W.H.W
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Alter Ritus – einmal anders
Zur Christvesper wird in die evangelische Stadtkirche St. Jakobi eingeladen; angekündigt ist eine «Figuralvesper nach der Agenda für St. Jakob von 1714».
Bis zur Christmette ist es noch langhin. Also: auf zu Protestantens.
Nein, es ist keine Showveranstaltung, sondern es ist als echter Gottesdienst gemeint. Daß der Pastor am Anfang begrüßt, gehört wahrscheinlich nicht zur Agenda von 1714, aber es hält sich sehr im Rahmen – aus katholischen Kirchen bin ich so etwas in ganz anderer Dosis gewohnt.
Eine evangelische Christvesper ist eine Art Missa sicca zum Weihnachtsfest. Es gibt vom Volk gesungene Lieder, aber nur sehr wenige; im übrigen singt ein herausragend guter «Chorus musicus à 8», das heißt aus acht Sängern und Sängerinnen bestehend. Sie singen «Figuralmusik» aus Spätrenaissance und Frühbarock, aber auch Gregorianik kommt vor. Für den Psalm «Quare fremuerunt gentes» teilen sie sich in zwei vierstimmige Halbchöre, die streng in Parallelen singen – ein Organum durum, gleichsam unmittelbar der Musica Enchiriadis entnommen. Der Klang: mitreißend.
So großartig das Ensemble auch ist: es gibt keinen Applaus; schließlich ist es ein Gottesdienst.
W.H.W
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Was heißt C M B?
Mal höre ich «Kaspar, Melchior, Baltassar», mal «Christus mansionem benedicat». Das eine ist der genuine Text, das andere eine volkstümliche Umdeutung. Klar; aber was ist was?
Die moderne Tendenz geht dahin, «Christus mansionem benedicat» für ursprünglich zu halten; aber ich möchte es sicher wissen. Darum schlage ich im Rituale Romanum nach. Dort finde ich im Appendix unter «De benedictionibus – benedictiones non reservatæ» die «Benedictio Cretæ in festo Epiphaniæ».
Da steht:
«Benedic, Domine Deus, creaturam istam cretæ ... ut quicumque ... vel in ea in domus suæ portis scripserint nomina sanctorum tuorum Gaspari, Melchioris et Baltassar, per eorum intercessionem et merita, corporis sanitatem et animæ tutelam percipiant. Per ...»
Die moderne Tendenz hat verloren, Köln gewonnen.
W.H.W
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Die Verkindergärtnerung der Kirche
Nach den liturgischen Eingangsformeln beginnt der Kaplan zu grölen: «Laßt uns froh und munter sein ...». Nach einiger Zeit beginnen einige Stimmen auf der Orgelbühne unsicher mitzusingen; und schließlich grölt die Orgel leise die Strophe zu Ende (daß eine Orgel leise grölen kann, ist für mich eine ganz neue Erfahrung). Nun erfahren wir vom Kaplan, daß man das ja immer singen könne. Ach ja!
Großzügig werden wir mit neuem geistlosem Liedgut versorgt. Die Predigt beginnt mit einer durchaus erzählenswerten Geschichte; dann aber gehen Kaplan und Diakon über zu einer Dialogpredigt – das heißt, sie spielen zwei Gesprächspartner; und wenn des Schauspielens unkundige Leute schauspielern, so heißt das vor allem: sie reden zu laut. Mir gelingt es dennoch, mich des Zuhörens zu enthalten; und als zwischendurch einmal ich das Wort «Navigationssystem» auffange, weiß ich, daß ich gut daran tue.
Bei den Fürbitten sollen wir ein «Netz» bilden: jeder soll seinem Vormann und seinem rechten Nebenmann je eine Hand auf die Schulter legen (auch auf dem Altar sehe ich dann ein Netz herumliegen). Aber mein rechter Nebenmann blickt friedlich vor sich hin; und auch von hinten bleibe ich unberührt.
Aber als dann beim Vater unser schon wieder alle sich an den Händen fassen sollen, gibt es auch für mich kein Entrinnen mehr.
W.H.W
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Sonntagsmesse in Yogyakarta
Die Messen am Sonntagmorgen werden zu völlig unchristlicher Zeit gefeiert; darum ziehe ich die Vorabendmesse vor.
Anders als
die Kirchen des nördlichen Bataklandes ist die von Yogyakarta stilistisch neutral – nichts Javanisches in der Architektur, aber auch nichts penetrant Westliches. Im Innern freilich sind das Kruzifix überm Altar, die Herz-Jesu-Statue und die der Gottesmutter zu beiden Seiten ausgeprägt westlich, ebenso der Kreuzweg. Nur etwas abseits vom Altar steht ein Gong; auch sein Gestell ist gut javanisch. Er wird zur Wandlung geschlagen; vorher allerdings waren die Altarschellen an der Reihe.
Der Gottesdienst hat wenig Javanisches. Die Sprache ist Malaiisch («Indonesisch»), wie wir von unserer Gefährtin erfahren können, anstelle der javanischen Volkssprache, wohl weil die Katholiken hierzulande zum großen Teil keine Einheimischen sind. Schön aber ist er durch den reichen Gesang. Es ist europäischer Gesang (und kein NGL!); man hört, daß die Indonesier dazu Zugang haben. Wie in französischen Kirchen gibt es einen Rector chori, der von vorne den Gesang der Gemeinde leitet. Zur Opferung wird auf Malaiisch «Wir weihn der Erde Gaben» gesungen, ein Lied, das in unserem GL wenig benutzt liegen bleibt, zur Kommunion «Amazing grace». Bemerkenswert der Dialog zu Beginn der Präfation, der die lateinische Melodie recht unbeschädigt bewahrt, ganz anders also als die deutsche Fassung.
Nach der Kommunion kommen die Kinder nach vorne und werden gesegnet. Erst nach der Kommunion! – so wird anders als bei uns nicht der Eindruck erzeugt, es käme ja sowieso jeder zur Kommunion nach vorne; anders als bei uns wird so vermieden, daß etwa Partikel vom Leib des Herrn auf der Stirn der Kinder verwischt werden. Und die Segnung der Kinder erscheint wirklich als Segensritus, nicht etwa als Verlegenheitslösung, weil kleine Kinder die Kommunion noch nicht erhalten.
Nach der Messe folgt ein sakramentaler Segen. Und dabei nun ein Gesang in einer jedem verständlichen Sprache: das Tantum ergo.
So haben wir am Sonntagmorgen Zeit, in den Kraton zu gehen, wo ein Tanzspiel aufgeführt wird und dazu ein Gamelan spielt. Der Fürstenhof von Yogyakarta ist, so wie Java überhaupt zum großen Teil, von einer sonderbaren Mélange von Islam, Hinduismus und Buddhismus. Die
Tänze [©Wiebke], die wir sehen, beruhen offensichtlich auf einer indischen Grundlage, sind dabei aber doch ganz entschieden javanisch. Im Publikum sind viele Touristen; und dennoch ist es nicht einfach eine Folklore-Veranstaltung, sondern ein Ereignis, das zum Leben der Menschen gehört. Die Tänzer, die hier ihren großen Auftritt erleben, sind Jugendliche; sie müssen diese komplizierten Tänze von Kindheit an geübt haben. Und man merkt ihnen die Hingabe an, mit der sie sich ihrer anspruchsvollen Aufgabe widmen.
So erlebe ich wieder, daß es Kindern und Jugendlichen Freude macht, wenn ihnen etwas Anspruchsvolles, aber auch sehr Schönes zugedacht wird und sie sich nicht mit «Kindgemäßem» begnügen müssen. Und ich denke an die Freude, die
einem deutschen Kind das Ministrieren in der Venner Messe macht (auch wenn von jahrelangem Üben hier noch keine Rede ist).
Und wenn ich dem Sänger im Kraton zuhöre bei seiner langen Kantillation, die ein wenig an die Kantillationen der lateinischen Liturgie erinnert, wünsche ich mir, das eine solche Gesangsweise auch für die Lesungen in den katholischen Kirchen übernommen würde, die bisher nach neuwestlicher Weise nur gesprochen werden – das wäre eine sinnvolle Inkulturation.
W.H.W
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Gottesdienst bei den Kapuzinern
Am Sonntag bin ich zur Mittagszeit in Frankfurt gelandet, gehe zu den Kapuzinern in die Messe – ich kenne sie schon von früher; vor vielen Jahren war ich öfters mal da.
Und es gefällt mir dort wieder. Eine sehr gute Sängerin singt vor, der Organist spielt ausgezeichnet, sogar das Glaubensbekenntnis wird gesungen.
Aber das ist es nicht allein, weswegen es mir hier so gefällt. Ich könnte auch einiges bekritteln: Orgelspiel in der Fastenzeit, am Passionssonntag! und das Glaubensbekenntnis ist nur das Apostolicum, in der miserablen modernen Übersetzung. Auch schwerere liturgische Fehler könnte ich bemängeln. Doch ich habe keine Lust dazu, denn das Wesentliche stimmt: es ist wirklich ein Gottesdienst. Wenn auch vor einer Lesung jemand eine einführende Bemerkung macht: ich habe doch den Eindruck, daß niemand erzählen, niemand plaudern will, niemand zeigen will, wie locker er sein kann. Alle Beteiligten scheinen wirklich Gottesdienst feiern, sich in die liturgische Ordnung einfügen zu wollen; und das prägt den Eindruck – solch ein Eindruck ist nicht alltäglich.
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Literarische und wirkliche Anliegen
Im Ritus der Messe ist ein Raum freigelassen für Fürbitten, die aber anders als in östlichen Riten nicht vorformuliert sind – doch wohl deshalb nicht, damit gegenwärtige Anliegen ihren Ort haben.
In der Sonntagsmesse jedoch erlebe ich wieder einmal anderes. Die Lektorin betet etwa für die Obdachlosen und die Flüchtlinge. Wichtige Anliegen! – doch sie erscheinen in dieser wohlhabenden Umgebung nicht, weil sie die Menschen hier zur Zeit beschäftigen, sondern weil im Evangelium (Lc. 9,51-62) die Rede davon war, daß der Menschensohn «keinen Ort» hat, «wo er sein Haupt hinlegen kann». Für die Menschen betet sie, die gerade jemand Nahestehenden verloren haben. Wieder ein wichtiges Anliegen – aber es geht um niemanden, der der Gottesdienstgemeinde am Herzen läge, sondern das Anliegen ist veranlaßt durch den Mann, der «zuerst heimgehen» und seinen «Vater begraben» möchte. Es wird gebetet für Menschen in Not, aber nicht das Mitempfinden mit ihnen in ihrer Not ist das Motiv dieser Fürbitten, sondern die literarische Anknüpfung an den zuvor gelesenen Text. So erscheinen diese Bitten als zufällig, es sind bei der Gottesdienstvorbereitung erdachte Schriebtischanliegen.
Erst als die Lektorin geendet hat, trägt der Priester noch ein wirklich gegenwärtiges Anliegen nach, er betet namentlich für die Genesung einer Frau, die eine schwere Operation hinter sich hat. Und ich denke an die Kirchen des byzantinischen Ritus, in denen ganz selbstverständlich in die vorformulierte Fürbittlitanei namentliche Bitten für einzelne Kranke eingefügt werden: «.. und richte sie auf von ihrem Lager!»
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«Suchen und finden»
heißt es im Titel der Religiösen Kinderwoche. Haben sie Ihn gefunden?
Zu Beginn des Sonntagshochamtes steht ein großer Pulk von Kindern, dazwischen die üblichen erwachsenen Anführer, vorne im Chor, versus populum gewendet. Das heißt, sie haben Altar und Tabernakel schräg hinter sich – und schenken weder dem einen noch dem anderen weitere Beachtung.
Sie suchen Ihn wohl gar nicht (und das ist sicher nicht Schuld der Kinder).
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